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Ratgeber · Sanierung Österreich

Wärmepumpe mit Heizkörper: Geht das im Altbau?

Von Lukas ZechnerEnergieausweis-AusstellerVeröffentlicht am

Kaum ein Satz hat mehr Wärmepumpen verhindert als dieser: „Ohne Fußbodenheizung brauchen Sie gar nicht anzufangen.“ Man hört ihn beim Installateur, im Baumarkt und ganz besonders am Stammtisch. Das Problem daran ist nicht, dass er völlig falsch wäre – sondern dass er die falsche Frage beantwortet.

Kurz gesagt: Eine Wärmepumpe funktioniert auch mit normalen Heizkörpern. Nicht die Bauart entscheidet, sondern die Vorlauftemperatur: Kommt Ihr Haus am kältesten Tag mit rund 50 Grad aus, läuft die Wärmepumpe wirtschaftlich. Große alte Heizkörper sind dabei oft ein Vorteil, und wo es klemmt, sind es meist nur zwei oder drei Räume.

Auf einen Blick

  • Zielwert: Vorlauftemperatur bis ca. 55 °C, ideal 35–45 °C
  • Faustregel: 70 → 50 °C bedeutet etwa die doppelte Heizfläche
  • Stromkosten: rund 2–3 % je Grad Vorlauftemperatur
  • Selbsttest: an einem kalten Tag Heizkurve auf 50 °C absenken
  • In der Praxis: selten alle, meist 2–3 Heizkörper tauschen
Alter gusseiserner Heizkörper unter einem Fenster – auch damit funktioniert eine Wärmepumpe

Funktioniert eine Wärmepumpe mit Heizkörpern überhaupt?

Ja. Und zwar nicht als Notlösung, sondern als völlig normaler Betriebsfall. Eine Wärmepumpe interessiert sich nicht dafür, ob das warme Wasser durch Rohre im Estrich oder durch einen Radiator unter dem Fenster fließt. Sie interessiert sich für eine einzige Zahl: die Temperatur, die das Wasser haben muss.

Der Grund für den schlechten Ruf liegt in der Vergangenheit. Als Öl noch billig war, hat man Heizungen auf 75 Grad ausgelegt – schlicht weil es keinen Grund gab, es anders zu machen. Ein Ölkessel arbeitet bei 75 Grad genauso zufrieden wie bei 45. Eine Wärmepumpe nicht: Sie muss die Wärme aus der kalten Umgebung auf Temperatur bringen, und je höher dieses Ziel liegt, desto mehr Strom kostet der Weg dorthin.

Die eigentliche Frage lautet also nicht „Heizkörper oder Fußbodenheizung?“, sondern: Mit welcher Wassertemperatur wird mein Haus am kältesten Tag des Jahres warm? Alles Weitere in diesem Beitrag dreht sich um diese eine Zahl – und darum, wie Sie sie herausfinden und senken.

Die Vorlauftemperatur entscheidet über alles

Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Wassers, das die Heizung Richtung Heizkörper verlässt. Abgekühlt kommt es als Rücklauf zurück. Fachleute schreiben das als Zahlenpaar: 70/55 bedeutet 70 Grad hin, 55 Grad zurück.

Für die Wärmepumpe gilt eine einfache Orientierung. Bis etwa 55 Grad ist der Betrieb wirtschaftlich. Zwischen 35 und 45 Grad fühlt sie sich richtig wohl. Darüber wird es zwar nicht unmöglich, aber teuer – und ab etwa 65 Grad braucht es besondere Geräte, die sich das entsprechend bezahlen lassen.

Wichtig dabei ist ein Detail, das in der Diskussion fast immer untergeht: Diese Auslegungswerte gelten für den kältesten Tag des Jahres. In Österreich rechnet man je nach Ort mit etwa minus 12 bis minus 16 Grad Außentemperatur – und solche Tage gibt es eine Handvoll. An einem milden Novembertag mit acht Grad fährt dieselbe Anlage vielleicht mit 32 Grad Vorlauf. Der Großteil der Heizsaison spielt sich im günstigen Bereich ab.

Das ist die gute Nachricht hinter der ganzen Rechnerei: Sie müssen keinen Idealzustand herstellen. Sie müssen nur dafür sorgen, dass die Spitze nicht zu hoch wird.

Warum ein Heizkörper bei 55 Grad nur die halbe Leistung bringt

Jetzt wird es kurz technisch, aber es lohnt sich – denn dieser Zusammenhang erklärt praktisch alles, was beim Umstieg passiert. Ein Heizkörper gibt seine Wärme umso besser ab, je größer der Temperaturunterschied zur Raumluft ist. Das ist wie beim Kaffee: Eine frisch aufgebrühte Tasse kühlt in der ersten Minute viel schneller aus als in der zehnten.

Dieser Zusammenhang ist allerdings nicht gleichmäßig. Halbiert man den Temperaturunterschied, sinkt die Leistung nicht auf die Hälfte, sondern deutlich weiter. Die Norm EN 442 legt dafür vier Prüfbedingungen fest, auf die sich alle Hersteller beziehen. Rechnet man einen typischen Heizkörper darauf um, ergibt sich dieses Bild:

75/65 °C
100 %
die alte Auslegung – so wurden Kessel jahrzehntelang geplant
70/55 °C
rund 80 %
typischer Bestand in Häusern ab den Achtzigern
55/45 °C
rund 50 %
die Grenze, ab der eine Wärmepumpe wirtschaftlich läuft
45/35 °C
rund 30 %
der Wohlfühlbereich der Wärmepumpe – meist mit Flächenheizung

Lesen Sie die Tabelle von oben nach unten wie eine Zeitreise. Ihr Heizkörper wurde vermutlich für die erste oder zweite Zeile geplant. Fahren Sie ihn künftig mit 55/45, gibt derselbe Heizkörper nur noch rund die Hälfte dessen ab, wofür er einst ausgelegt wurde. Und daraus folgt die Faustregel, die Sie sich merken sollten:

Wer von 70 auf 50 Grad heruntergeht, braucht ungefähr die doppelte Heizfläche. Das klingt nach Abriss, ist es aber nicht. Ein Plattenheizkörper Typ 33 hat an derselben Wandstelle grob die doppelte Leistung eines Typ 11 – gleiche Höhe, gleiche Länge, nur tiefer. Es geht also selten um mehr Platz, sondern um ein anderes Modell.

Werte gerundet, berechnet nach EN 442 mit einem Heizkörperexponenten von 1,3 und 20 °C Raumtemperatur. Je nach Bauart weicht der Exponent leicht ab – an der Größenordnung ändert das nichts.

Der Selbsttest: Ein kalter Tag sagt mehr als jede Schätzung

Sie müssen nicht raten, ob Ihr Haus wärmepumpentauglich ist. Sie können es ausprobieren – mit der Heizung, die Sie ohnehin haben, ohne einen Cent zu investieren. Der Test braucht nur einen richtig kalten Tag und etwas Geduld.

  1. Warten Sie auf Frost. Je näher an der kältesten Zeit des Jahres, desto aussagekräftiger. Ein Tag um den Gefrierpunkt taugt schon, minus zehn Grad sind besser.
  2. Öffnen Sie alle Thermostatventile ganz. Wirklich alle, auch im selten genutzten Gästezimmer. Sonst misst der Test nur Ihre Ventilstellungen.
  3. Senken Sie die Heizkurve so weit ab, dass der Vorlauf bei ungefähr 50 Grad liegt. Den Wert zeigt fast jede Regelung im Display an.
  4. Warten Sie mindestens 24 Stunden. Ein Haus ist träge – die ersten Stunden sagen wenig aus, weil noch Restwärme in den Wänden steckt.
  5. Gehen Sie durch alle Räume und notieren Sie, wo es angenehm ist und wo nicht.

Bleiben alle Räume auf Wohlfühltemperatur, ist die Sache entschieden: Ihre Heizflächen reichen für eine Wärmepumpe. Kühlt es irgendwo aus, haben Sie ebenfalls gewonnen – nämlich eine präzise Mängelliste. Sie wissen jetzt nicht nur, dass etwas fehlt, sondern genau in welchen Räumen.

Eine Warnung dazu: Drehen Sie die Heizkurve nach dem Test wieder auf den alten Wert zurück, wenn Sie ihn brauchen. Und machen Sie den Versuch nicht, während Sie eine Woche auf Urlaub sind – in einem ausgekühlten Haus misst man nur, wie lange das Aufheizen dauert.

Welche Heizkörper eignen sich – und welche nicht?

Wenn Sie im Internet suchen, lesen Sie schnell, dieser Typ sei geeignet und jener nicht. Das greift zu kurz. Entscheidend ist immer das Verhältnis zwischen Heizfläche und dem Wärmebedarf des Raums. Trotzdem gibt es Bauarten, die es Ihnen leichter machen:

Plattenheizkörper Typ 22/33
sehr gut
große Fläche, mehrere Lagen – der Standard seit den Neunzigern
Gusseiserne Gliederheizkörper
oft besser als ihr Ruf
im Altbau meist großzügig dimensioniert, dadurch viel Reserve
Röhrenheizkörper
brauchbar
hängt stark von Bautiefe und Anzahl der Rohrreihen ab
Niedertemperatur-Heizkörper
ideal
mit kleinem Ventilator – bringt auch bei 40 °C volle Leistung
Konvektoren, Unterflurkanäle
schwierig
leben von hoher Temperatur, brechen bei 45 °C stark ein
Fußboden- oder Wandheizung
die Königsklasse
35 bis 40 °C reichen, ideale Bedingungen für die Wärmepumpe
Heller Wohnraum mit Plattenheizkörpern unter bodentiefen Fenstern

Der interessanteste Fall sind die alten gusseisernen Gliederheizkörper, die viele Altbauten noch haben. Sie gelten als Relikt, sind aber häufig das Beste, was Ihnen passieren kann: Damals wurde großzügig dimensioniert, weil die Häuser schlechter gedämmt waren und man Reserven einplante. Diese Reserve gehört heute Ihnen.

Schwierig sind dagegen Konvektoren und Unterflurkanäle. Sie erzeugen ihre Wärme über eine Luftströmung, die von einem kräftigen Temperaturunterschied lebt. Fällt die Vorlauftemperatur, schläft die Strömung ein und die Leistung bricht überproportional weg. Wo solche Systeme verbaut sind, führt der Weg meist über Gebläsekonvektoren oder eine andere Heizfläche.

Tauschen oder behalten? Die Zwei-Räume-Regel

Hier kommt der Punkt, an dem viele Angebote zu teuer werden. Wird pauschal der Tausch aller Heizkörper angeboten, wird an der falschen Stelle gerechnet. In der Praxis ist es fast immer eine Handvoll Räume, die den Ausschlag gibt.

Das liegt an einer unangenehmen Eigenschaft von Heizsystemen: Die Vorlauftemperatur ist für das ganze Haus dieselbe. Sie richtet sich zwangsläufig nach dem schwächsten Raum. Ein einziges Schlafzimmer mit einem zu kleinen Heizkörper zwingt die Anlage dauerhaft fünf Grad höher – und das zahlen Sie zwölf Monate lang in jedem Raum mit.

Umgekehrt heißt das: Wer diese zwei, drei Problemräume gezielt aufrüstet, senkt die Vorlauftemperatur für das gesamte Gebäude. Bei grob 400 bis 800 Euro je Heizkörper samt Montage ist das im Verhältnis zu einer Wärmepumpe eine Nebenposition – mit einer Wirkung, die kein anderer Handgriff so günstig erzielt.

Wo der Platz nicht reicht, gibt es noch eine elegante Variante: Niedertemperatur-Heizkörper mit einem kleinen, leisen Ventilator. Sie bringen auch bei 40 Grad die volle Leistung und passen an dieselbe Stelle. Sie brauchen dafür einen Stromanschluss und kosten mehr als ein Standardheizkörper – für einzelne schwierige Räume sind sie aber oft die schlaueste Lösung.

Was ein einziges Grad Vorlauftemperatur kostet

Die Jahresarbeitszahl beschreibt, wie viele Kilowattstunden Wärme die Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom macht. Eine Jahresarbeitszahl von 4 bedeutet: aus einem Teil Strom werden vier Teile Wärme. Diese Zahl ist der Unterschied zwischen einer günstigen und einer teuren Heizung.

Und sie hängt direkt an der Vorlauftemperatur. Als Faustzahl rechnet man mit rund zwei bis drei Prozent Mehrverbrauch je Grad. Zehn Grad niedrigerer Vorlauf sparen also grob ein Fünftel der Stromkosten – Jahr für Jahr, ohne dass Sie etwas dafür tun müssen.

Warum das so ist, zeigt die Physik dahinter. Eine Wärmepumpe muss Wärme von einem niedrigen auf ein höheres Temperaturniveau heben, und je größer dieser Sprung, desto mehr Arbeit kostet er. Die folgende Kurve zeigt diesen Zusammenhang für drei typische Quellentemperaturen – von einem milden Herbsttag mit sieben Grad bis zu einem Frosttag mit minus sieben:

Leistungszahl einer Wärmepumpe in Abhängigkeit von der VorlauftemperaturBei einer Quellentemperatur von 2 °C sinkt die Leistungszahl von etwa 4,7 bei 35 °C Vorlauf auf rund 3,4 bei 50 °C, 3,1 bei 55 °C und 2,5 bei 70 °C. Bei −7 °C Quellentemperatur liegen die Werte um etwa 0,5 niedriger, bei +7 °C entsprechend höher.wirtschaftlicher Bereich012345635404550556065703,4 bei 50 °C VorlaufVorlauftemperatur in °CLeistungszahl (COP)
  • Quelle +7 °C
  • Quelle +2 °C
  • Quelle −7 °C
Idealisierte Darstellung: Carnot-Leistungszahl mit einem Gütegrad von 0,5, gerechnet zwischen Quellentemperatur und Vorlauftemperatur. Reale Anlagen liegen wegen Pumpen, Abtauzyklen und Taktverlusten etwas darunter – der Verlauf der Kurve bleibt aber derselbe.

Zwei Dinge lassen sich daraus ablesen. Erstens: Die Kurve fällt links steiler ab, als man erwartet – die ersten eingesparten Grad bringen am meisten. Zweitens: Der Abstand zwischen den drei Kurven ist kleiner als der Abstand zwischen 35 und 70 Grad Vorlauf. Anders gesagt – Sie haben auf die Vorlauftemperatur mehr Einfluss als auf das Wetter, und genau dort lohnt sich der Aufwand.

Rechnen Sie das gegen den Heizkörpertausch: Zwei größere Heizkörper kosten einmalig etwa so viel wie eine mittlere Jahresstromrechnung fürs Heizen. Wenn sie die Vorlauftemperatur dauerhaft um fünf bis zehn Grad senken, haben sie sich nach wenigen Heizsaisonen bezahlt gemacht. Wie sich das im Gesamtbild der Anlage darstellt, zeigt der Ratgeber Wärmepumpe: Kosten, Förderung & Eignung.

Der billigere Weg: die Heizlast senken

Bisher ging es darum, die Heizfläche zu vergrößern. Es gibt aber noch einen zweiten Hebel, und der ist oft der wirtschaftlichere: den Wärmebedarf des Raums verkleinern. Beides führt zum selben Ergebnis, nämlich zu einer niedrigeren nötigen Vorlauftemperatur.

Ein gedämmter Dachboden oder eine gedämmte Kellerdecke senkt die Heizlast spürbar – und plötzlich reicht der vorhandene Heizkörper, der vorher zu klein war. Besonders wirksam ist das dort, wo die Verluste am größten sind: Die oberste Geschoßdecke ist meist die günstigste Maßnahme überhaupt, die Fassadendämmung die wirksamste.

Die Reihenfolge ist deshalb kein Detail, sondern bares Geld: Wer zuerst dämmt und dann die Wärmepumpe auslegen lässt, bekommt ein kleineres, günstigeres Gerät und braucht seltener neue Heizkörper. Wer umgekehrt vorgeht, kauft eine Anlage für ein Haus, das es nach der Sanierung nicht mehr gibt.

Hydraulischer Abgleich und die richtige Heizkurve

Bevor Sie über neue Heizkörper nachdenken, sollte ein Handgriff erledigt sein, der oft erstaunlich viel bringt und wenig kostet: der hydraulische Abgleich. Dabei wird eingestellt, wie viel Wasser durch jeden einzelnen Heizkörper fließt.

Ohne Abgleich nimmt sich das Wasser den bequemsten Weg – meist zum Heizkörper direkt neben der Heizung. Die Räume am Ende der Leitung bekommen zu wenig. Die übliche Reaktion darauf ist, die Vorlauftemperatur zu erhöhen, bis auch das letzte Zimmer warm wird. Damit heizt man das halbe Haus über Bedarf, nur damit ein Raum mitkommt.

Der zweite Punkt ist die Heizkurve. Sie legt fest, wie stark die Vorlauftemperatur bei sinkender Außentemperatur ansteigt. In vielen Anlagen steht sie noch auf der Werkseinstellung, die vorsichtshalber zu hoch gewählt ist. Eine sorgfältig eingestellte Heizkurve kostet nichts außer der Zeit des Fachbetriebs – und sie ist bei einer Wärmepumpe kein Feintuning, sondern der Unterschied zwischen einer guten und einer enttäuschenden Stromrechnung.

Welche Wärmepumpe passt zu Heizkörpern?

Wenn Ihr Haus mit 45 bis 50 Grad auskommt, brauchen Sie kein Spezialgerät. Eine gute Luft-Wasser-Wärmepumpe deckt diesen Bereich ab und ist die häufigste Wahl bei Sanierungen, weil sie ohne Erdarbeiten auskommt.

Braucht Ihr Haus dauerhaft mehr, kommen zwei Wege in Frage. Eine Erdwärmepumpe arbeitet mit einer gleichmäßigen Quelle im Untergrund und bleibt auch bei höheren Vorlauftemperaturen effizienter – sie kostet allerdings mehr und braucht Bohrung oder Fläche. Oder Sie greifen zu einer Hochtemperatur-Wärmepumpe, die 65 bis 75 Grad schafft.

Bei der zweiten Variante lohnt ein nüchterner Blick. Sie löst das Problem technisch elegant und erspart bauliche Eingriffe. Bezahlt wird das mit Strom, und zwar dauerhaft. Als Übergangslösung in einem Haus, das in den nächsten Jahren ohnehin gedämmt wird, kann das eine vernünftige Entscheidung sein. Als endgültige Antwort auf zu kleine Heizkörper ist sie meistens die teuerste.

Sonderfall Bad: warum der Handtuchhalter selten reicht

Das Bad ist der Raum, in dem die meisten Umstellungen scheitern – und zwar nicht wegen der Physik, sondern wegen der Erwartungen. Im Bad möchte man es wärmer haben als überall sonst, und zwar genau dann, wenn man nass ist.

Der schmale Handtuchradiator, der dort meist hängt, gibt wenig Leistung ab – bei niedriger Vorlauftemperatur noch weniger. Die übliche Lösung ist eine Kombination: eine Fußbodenheizung oder ein ausreichend großer Heizkörper für die Grundwärme, dazu ein Handtuchhalter mit Elektropatrone für die halbe Stunde am Morgen. Das kostet wenig Strom, weil es selten und kurz läuft, und löst das Komfortproblem zuverlässiger als jede Diskussion über Systemtemperaturen.

Kann man mit Heizkörpern auch kühlen?

Viele Wärmepumpen können im Sommer rückwärts arbeiten und kaltes Wasser liefern. Über normale Heizkörper funktioniert das leider kaum – und der Grund ist derselbe wie beim kalten Getränk im Gastgarten: An der kalten Oberfläche schlägt sich Feuchtigkeit aus der Luft nieder. Beim Glas ist das ein nasser Untersetzer, an der Wand hinter dem Heizkörper wäre es ein Feuchteschaden.

Sinnvoll kühlen lässt sich über Flächenheizungen, die mit einer sanften Temperaturabsenkung arbeiten, oder über Gebläsekonvektoren mit Kondensatableitung. Wenn Kühlen für Sie ein Thema ist, gehört es in die Planung – nachträglich ist es aufwendig.

Förderungen: Was beim Heizungstausch gilt

Der Umstieg von einer fossilen Heizung auf eine Wärmepumpe wird in Österreich auf zwei Ebenen gefördert, vom Bund und von den Bundesländern. Beide Schienen bestehen seit Jahren, ihre Ausgestaltung ändert sich aber laufend: Programme werden neu aufgelegt, Sätze angepasst, Budgets sind irgendwann ausgeschöpft.

Stabil bleiben die Spielregeln. Beim Heizungstausch gelten fast immer diese vier:

  • Die richtige Reihenfolge: erst Registrierung oder Zusage, dann beauftragen. Wer vorher unterschreibt, verliert den Anspruch.
  • Ausführung durch befugte Betriebe: Eigenmontage ist praktisch nie förderfähig.
  • Nachweise vorher und nachher: je nach Programm Energieberatung, Energieausweis oder eine Fachunternehmererklärung.
  • Technische Mindeststandards: für das Gerät und häufig auch für die fachgerechte Einregulierung der Anlage.

Der Heizkörpertausch selbst ist dabei oft Teil der geförderten Maßnahme, weil er zur Umstellung gehört. Klären Sie das aber vor der Beauftragung ab und rechnen Sie nie fest mit einem Zuschuss, den Sie nicht schriftlich haben.

Vom Energieausweis zur Antwort

Der Selbsttest sagt Ihnen, ob es funktioniert. Er sagt Ihnen nicht, was es kostet und was danach übrig bleibt. Genau dafür ist unser kostenloser Sanierungsrechner da.

Sie geben Ihre Gebäudedaten ein – oder laden Ihren Energieausweis hoch, dann rechnen wir mit Ihren echten Flächen und U-Werten. Im Ausweis steht auch, welche Wärmeabgabe Ihr Haus hat, ob also Heizkörper oder Flächenheizung verbaut sind. Sie sehen anschließend, was der Heizungstausch kostet, wie viel er jährlich spart und wie sich das ändert, wenn Sie vorher dämmen.

Der eigentliche Nutzen liegt im Vergleich: Sie sehen die Wärmepumpe neben Dämmung und Fenstertausch und erkennen, welche Reihenfolge für Ihr Haus am meisten bringt. Eine Übersicht über alle Maßnahmen gibt der Ratgeber Was kostet eine Sanierung?

Wärmepumpe für Ihr Haus berechnen →

Die häufigsten Irrtümer

„Ohne Fußbodenheizung braucht man mit einer Wärmepumpe gar nicht anzufangen.“

Das ist der hartnäckigste Irrtum überhaupt. Entscheidend ist nicht die Art der Heizfläche, sondern die Temperatur, mit der sie auskommt. Wer große Heizkörper in einem halbwegs gedämmten Haus hat, fährt problemlos mit 50 Grad – und das schafft jede moderne Wärmepumpe mit vernünftiger Effizienz.

„Alte Gussradiatoren sind der Todfeind der Wärmepumpe.“

Erstaunlicherweise oft das Gegenteil. Gusseiserne Heizkörper aus der Vorkriegszeit wurden großzügig dimensioniert, weil man Reserven einplante und die Häuser schlechter gedämmt waren. Genau diese Überdimensionierung ist heute Ihr Kapital: Ein Heizkörper, der doppelt so groß ist wie nötig, kommt mit deutlich niedrigerer Vorlauftemperatur aus.

„Wenn es nicht reicht, müssen eben alle Heizkörper raus.“

In der Praxis sind es fast immer zwei oder drei Räume, die klemmen – oft das Schlafzimmer mit dem kleinen Heizkörper unter dem Fenster oder ein zugebauter Wintergarten. Der Rest passt. Ein selektiver Tausch kostet einen Bruchteil und wirkt genauso.

„Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe löst das Problem.“

Technisch ja, wirtschaftlich nur bedingt. Solche Geräte schaffen 70 Grad und mehr, zahlen das aber mit Strom. Wer das ganze Jahr auf hoher Temperatur fährt, holt sich eine Heizkostenrechnung, die einen ins Grübeln bringt. Als Notlösung für einzelne Wochen im Hochwinter sinnvoll, als Dauerzustand nicht.

„Ein größerer Heizkörper macht den Raum wärmer.“

Nein – er macht denselben Raum bei niedrigerer Wassertemperatur warm. Das Thermostatventil regelt die Raumtemperatur ohnehin auf Ihren Wunschwert. Der größere Heizkörper ist kein Komfortgewinn, sondern die Eintrittskarte für einen effizienten Betrieb.

Häufige Fragen

Funktioniert eine Wärmepumpe mit normalen Heizkörpern?

Ja, und zwar häufiger, als viele annehmen. Die Bedingung ist nicht die Bauart der Heizkörper, sondern die nötige Vorlauftemperatur: Kommt Ihr Haus am kältesten Tag mit rund 50 Grad aus, arbeitet eine moderne Wärmepumpe wirtschaftlich. Große, alte Heizkörper sind dabei oft ein Vorteil, weil sie reichlich Fläche mitbringen.

Bis zu welcher Vorlauftemperatur ist eine Wärmepumpe sinnvoll?

Als Faustregel gilt: Bis etwa 55 Grad ist der Betrieb wirtschaftlich, ideal sind 35 bis 45 Grad. Darüber steigt der Stromverbrauch spürbar. Wichtig ist, dass dieser Wert nur an den wenigen kältesten Tagen des Jahres gebraucht wird – im Großteil der Heizsaison liegt die Vorlauftemperatur deutlich darunter.

Welche Heizkörper eignen sich am besten für eine Wärmepumpe?

Am besten Plattenheizkörper der Typen 22 und 33, weil sie viel Fläche auf wenig Raum unterbringen. Niedertemperatur-Heizkörper mit kleinem Ventilator sind noch einmal wirksamer und brauchen wenig Platz. Schwierig wird es bei Konvektoren und Unterflurkanälen – die leben von hoher Wassertemperatur.

Muss ich alle Heizkörper tauschen?

In den seltensten Fällen. Meist sind es zwei bis drei Räume, in denen die Heizfläche zu klein ist. Diese gezielt zu tauschen kostet einen Bruchteil einer Komplettumrüstung und senkt die nötige Vorlauftemperatur für das ganze Haus – denn die Anlage muss sich immer nach dem schwächsten Raum richten.

Wie groß müssen die Heizkörper für eine Wärmepumpe sein?

Als grobe Orientierung: Wer von 70 auf 50 Grad Vorlauftemperatur heruntergeht, braucht ungefähr die doppelte Heizfläche für dieselbe Wärmeleistung. Das klingt dramatisch, bedeutet in der Praxis aber oft nur einen tieferen Plattenheizkörper an derselben Stelle – Typ 33 statt Typ 11 etwa.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Vorlauftemperatur und Jahresarbeitszahl?

Je höher die Vorlauftemperatur, desto mehr muss die Wärmepumpe die Temperatur anheben – und desto mehr Strom braucht sie. Als Faustzahl gelten rund zwei bis drei Prozent Mehrverbrauch je Grad. Zehn Grad weniger Vorlauf sparen also grob ein Fünftel der Stromkosten.

Wärmepumpe im Altbau ohne Fußbodenheizung – geht das?

Ja. Eine Fußbodenheizung ist ideal, aber kein Muss. Viele Altbauten haben großzügig dimensionierte Heizkörper, die genau deshalb mit niedriger Temperatur zurechtkommen. Entscheidend ist der Zustand der Gebäudehülle: Je besser gedämmt, desto niedriger die nötige Vorlauftemperatur.

Kann ich Fußbodenheizung und Heizkörper gemeinsam betreiben?

Ja, gemischte Systeme sind üblich – etwa Fußbodenheizung im Neubauteil, Heizkörper im Altbestand. Beide Kreise sollten mit einer möglichst niedrigen gemeinsamen Vorlauftemperatur auskommen. Wo einzelne Heizkörper dafür zu klein sind, hilft ein gezielter Tausch mehr als eine höhere Systemtemperatur für alle.

Kann man mit Heizkörpern auch kühlen?

Nur eingeschränkt. Über normale Heizkörper lässt sich kaltes Wasser führen, doch die kalte Oberfläche zieht Feuchtigkeit an – es bildet sich Kondenswasser. Sinnvoll kühlen lässt sich mit Flächenheizungen oder mit Gebläsekonvektoren, die eine Kondensatableitung haben.

Ist ein Handtuchheizkörper im Bad sinnvoll?

Als alleinige Wärmequelle selten. Handtuchradiatoren geben wenig Leistung ab, und im Bad wollen die meisten Menschen es besonders warm. Üblich ist die Kombination aus Fußbodenheizung oder einem größeren Heizkörper für die Grundwärme und einem Handtuchhalter mit Elektropatrone für den Komfort.

Was kostet der Tausch eines einzelnen Heizkörpers?

Rechnen Sie je nach Größe und Anschlusssituation grob mit 400 bis 800 Euro samt Montage. Bei zwei oder drei Heizkörpern bleibt das im Verhältnis zur Wärmepumpe eine Nebenposition – und es ist meist die günstigste Möglichkeit, die Vorlauftemperatur für das ganze Haus zu senken.

Woran erkenne ich, ob mein Haus wärmepumpentauglich ist?

Am ehrlichsten mit einem Test an einem kalten Tag: Heizkurve so weit absenken, dass der Vorlauf bei rund 50 Grad liegt, alle Thermostatventile ganz öffnen und einen vollen Tag beobachten. Bleiben alle Räume warm, ist der Fall klar. Kühlen einzelne Räume aus, wissen Sie genau, wo nachgebessert werden muss.

Lukas Zechner

Energieausweis-Aussteller & Betreiber von SanierCheck.at

Lukas berät seit Jahren zu Energieeffizienz und Sanierung und betreibt SanierCheck.at, um Hausbesitzern in ganz Österreich zu zeigen, was in ihren Gebäudedaten steckt. Fragen zur Wärmepumpe im Bestand? office@saniercheck.at oder +43 650 2703912.

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