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Ratgeber · Sanierung Österreich

Sanierungskosten: Was kostet eine Sanierung?

Von Lukas ZechnerEnergieausweis-AusstellerAktualisiert am

„Was kostet denn so eine Sanierung?“ – die Frage klingt einfach, die Antwort ist es selten. Ein gepflegtes Reihenhaus spielt in einer anderen Liga als ein zugiger Altbau aus den Siebzigern, und zwischen „nur die Fenster“ und „zurück auf den Rohbau“ liegen locker hunderttausend Euro. Im Nebel stochern müssen Sie trotzdem nicht.

Kurz gesagt: Eine Komplettsanierung kostet in Österreich rund 600 bis 1.200 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, eine reine thermische Sanierung 300 bis 600 Euro. Für ein Einfamilienhaus mit 130 m² bedeutet das grob 40.000 bis 80.000 Euro für die energetische Hülle und 80.000 bis 150.000 Euro für das komplette Programm – jeweils vor Abzug der Förderungen.

Auf einen Blick

  • Thermische Sanierung: ~300–600 €/m² Wohnfläche
  • Komplettsanierung: ~600–1.200 €/m² Wohnfläche
  • Günstigster Hebel: oberste Geschoßdecke ab ~20 €/m²
  • Teuerster Hebel: Fenstertausch, 550–850 €/m² Fensterfläche
  • Puffer einplanen: 10–15 % der Bausumme, im Altbau mehr
Fassadendämmung an einem Wohnhaus im Zuge einer thermischen Sanierung

Was kostet eine Sanierung?

Wer eine Zahl sucht, bekommt in Österreich meistens einen Quadratmeterpreis genannt – bezogen auf die Wohnfläche, nicht auf die Fassade. Das ist grob, aber als erster Rahmen brauchbar. Entscheidend ist, wie weit Sie gehen:

Thermische Sanierung
300–600 €/m²
Dämmung, Fenster, Heizung – die energetische Hülle
Teilsanierung
400–600 €/m²
einzelne Bereiche, Bausubstanz im Wesentlichen in Ordnung
Komplettsanierung
600–1.200 €/m²
innen und außen, inklusive Bad, Böden und Elektrik
Kernsanierung Altbau
800–1.200 €/m² und mehr
zurück auf den Rohbau – nach oben offen

Ein Beispiel zum Einordnen: Bei 130 Quadratmetern Wohnfläche liegen Sie mit einer thermischen Sanierung bei etwa 40.000 bis 80.000 Euro. Wollen Sie zusätzlich Bad, Böden und Elektrik erneuern, sind 80.000 bis 150.000 Euro realistisch. Und wenn das Haus zurück auf den Rohbau geht, hört die Skala nach oben irgendwann einfach auf, ehrlich zu sein.

Alle Werte inklusive 20 % Umsatzsteuer und vor Abzug von Förderungen. Es sind Marktrichtwerte für Österreich – maßgeblich ist immer das Angebot des ausführenden Betriebs.

Teil-, Komplett- oder Kernsanierung?

Die Begriffe werden munter durcheinandergeworfen, und genau daraus entstehen die Missverständnisse beim Budget. Kurz sortiert:

  • Thermische Sanierung: alles, was den Energieverbrauch senkt – Dämmung, Fenster, Heizung, oft Photovoltaik. Der Teil, für den es Förderungen gibt.
  • Teilsanierung: einzelne Bereiche werden erneuert, das Haus bleibt bewohnt. Der Klassiker: Fenster und Heizung raus, der Rest bleibt vorerst.
  • Komplettsanierung: außen und innen, also zusätzlich Bad, Küche, Böden, Elektrik. Deutlich teurer, weil hier die Ausstattung mitspielt.
  • Kernsanierung: zurück auf den Rohbau. Estriche, Installationen, Innenwände, manchmal Decken – alles raus. Nur die Substanz bleibt stehen.

Warum das wichtig ist? Weil ein Angebot über 900 Euro pro Quadratmeter für eine Teilsanierung teuer wirkt und für eine Kernsanierung günstig. Ohne den Umfang dahinter sagt die Zahl gar nichts.

Kosten je Maßnahme: Dämmung, Fenster und Heizung

Jetzt wird es konkret. Das sind die Richtwerte, mit denen unser Sanierungsrechner arbeitet – zusammengestellt aus österreichischen Marktdaten und laufend nachgeschärft. Zuerst die Dämmung: Alle Werte gelten je Quadratmeter gedämmter Bauteilfläche, also je m² Fassade, Decke oder Dachschräge – nicht je Quadratmeter Wohnfläche.

20–80 €/m²
der Geheimtipp: wenig Geld, große Wirkung
Innenwand gegen unbeheizt
25–95 €/m²
Garage, Stiegenhaus, Abstellraum – oft übersehen
Kellerdecke
30–100 €/m²
kein Gerüst nötig, oft an einem Wochenende erledigt
Fußboden über Keller/Erdreich
40–105 €/m²
nur sinnvoll, wenn der Boden ohnehin aufgemacht wird
Dachschräge (innen, Zwischensparren)
50–150 €/m²
von innen deutlich günstiger als von außen
Flachdach
75–215 €/m²
starke Spanne je nach Aufbau und Abdichtung
100–250 €/m²
meist der größte Brocken – Gerüst ist eingerechnet

Die Reihenfolge ist kein Zufall: Oben stehen die günstigen Quadratmeter, unten die teuren. Zwischen einer Dachbodendämmung und einer Fassadendämmung liegt beim Preis pro Quadratmeter locker der Faktor fünf – bei ähnlicher Wirkung auf die Heizkosten. Genau deshalb lohnt es sich, vor der ersten Angebotsanfrage kurz nachzudenken, wo das Geld die größte Wirkung hat.

Und hier die Maßnahmen, die nicht nach Dämmfläche abgerechnet werden – Fenster nach Fensterfläche, Heizung und Photovoltaik als Anlage:

550–850 €/m²
je m² Fensterfläche, ≈ 1.000–1.500 € je Standardfenster
Fernwärmeanschluss
5.000–12.000 €
günstigster Heizungstausch – wenn ein Netz vorhanden ist
22.000–30.000 €
komplett inkl. Einbau, ⌀ rund 26.000 €
Pelletsheizung
17.000–35.000 €
je nach Lagerraum und Aufwand, ⌀ rund 29.000 €
28.000–43.000 €
Tiefenbohrung treibt den Preis, ⌀ rund 35.500 €
Photovoltaik
3.500 € + ~1.400 €/kWp
kleine Anlagen sind pro kWp relativ teurer
Stromspeicher
~450 €/kWh
10 kWh liegen bei rund 8.000–11.000 €

Ausführlich haben wir die vier großen Posten jeweils in eigenen Beiträgen behandelt: Dachboden dämmen, Fassadendämmung, Fenster tauschen und Wärmepumpe – dort finden Sie Aufbau, Fördervoraussetzungen und die typischen Stolpersteine im Detail.

Dämmkosten schwanken je nach Bundesland und Dämmstärke – Wien, Vorarlberg, Tirol und Salzburg liegen typischerweise 10 bis 18 % über dem Mittel, das Burgenland darunter. Was für Ihr Haus herauskommt, rechnet Ihnen der Sanierungsrechner mit Ihren Flächen aus.

Handwerker bringt Dämmmaterial für die thermische Sanierung an einer Fassade an

Rechenbeispiel: Einfamilienhaus, Baujahr 1975

Damit die Richtwerte greifbar werden, hier ein typischer Fall aus dem niederösterreichischen Speckgürtel: 130 m² Wohnfläche, zwei Geschoße, ungedämmt, Ölkessel aus den Neunzigern, Fenster aus der ersten Sanierungswelle. Also genau das Haus, das in Österreich zehntausendfach steht.

Oberste Geschoßdecke dämmen (110 m²)
ca. 5.500 €
der günstigste Quadratmeter im ganzen Haus
Fassade dämmen (180 m²)
ca. 31.500 €
inklusive Gerüst und Putz
Fenster tauschen (22 m²)
ca. 15.400 €
14 Fenster samt Laibungen und Fensterbänken
Luft-Wärmepumpe
ca. 26.000 €
inkl. Einbau und Anpassung der Heizflächen
Photovoltaik, 8 kWp
ca. 14.700 €
ohne Speicher
Summe vor Förderung
ca. 93.100 €
Bund und Land können davon einen spürbaren Teil abdecken

Rund 93.000 Euro also für das volle energetische Programm – umgerechnet etwa 715 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Das klingt nach viel, und das ist es auch. Zwei Dinge relativieren die Zahl aber deutlich: Erstens deckt die Förderung von Bund und Land davon regelmäßig einen spürbaren Anteil ab. Zweitens muss das nicht in einem Jahr passieren.

Wer etwa nur mit Dachboden und Heizung beginnt, ist bei rund 31.500 Euro – und hat damit schon den Großteil der Heizkostenersparnis eingesammelt. Die Fassade kann später folgen, wenn der Putz ohnehin fällig ist.

Wovon die Kosten abhängen

Warum schwanken die Preise so stark? Vier Dinge geben den Ausschlag:

  • Flächen statt Wohnfläche: Bezahlt wird nach Fassade, Dach und Fensterfläche. Ein verwinkelter Bungalow hat bei gleicher Wohnfläche deutlich mehr Hülle als ein kompakter zweigeschoßiger Würfel – und kostet entsprechend mehr.
  • Baujahr und Zustand: Hier steckt die gute Nachricht. Gerade alte, ungedämmte Häuser haben das größte Sparpotenzial – wo viel Wärme entweicht, lässt sich auch viel holen.
  • Umfang: Jede zusätzliche Maßnahme kostet, senkt aber oft den Preis pro Einheit. Das Gerüst steht ohnehin, der Betrieb ist ohnehin da.
  • Region und Zugänglichkeit: In Wien und im Westen kalkuliert man erfahrungsgemäß anders als im Burgenland. Alpine Lagen und schwer erreichbare Baustellen kosten zusätzlich 5 bis 15 %.

Der wichtigste Punkt ist der erste, und er wird am häufigsten übersehen: Nicht Ihre Wohnfläche treibt die Kosten, sondern Ihre Hüllfläche. Genau deshalb rechnet unser Tool mit den echten Bauteilflächen und nicht mit einem Quadratmeterpauschale.

Was im Richtwert nicht steckt

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Richtwerte gelten für den Normalfall – und der Normalfall hat die Angewohnheit, auf der Baustelle nicht aufzutauchen. Diese Posten kommen regelmäßig dazu, stehen aber selten im ersten Angebot:

  • Schlechter Untergrund: bröckelnder Putz, feuchte Sockel, alte Anstriche, die nicht tragen – rund 5 bis 15 Euro je Quadratmeter zusätzlich.
  • Leitungen und Hindernisse: Rohre, Kabelkanäle, Vordächer, Fensterläden. Alles, was demontiert und wieder montiert werden muss, schlägt mit 10 bis 20 % Aufschlag zu Buche.
  • Kleine Flächen: Unter 50 Quadratmetern steigt der Preis pro Quadratmeter spürbar, weil die Fixkosten – Anfahrt, Einrichtung, Gerüstaufbau – gleich bleiben.
  • Planung und Nebenkosten: Energieausweis, Bauaufsicht, allfällige Einreichung, Container und Entsorgung.
  • Denkmalschutz und Sonderformen: Erker, Gesimse, gegliederte Altbaufassaden – hier gibt es keinen Richtwert, nur ein Angebot.

Deshalb die Faustregel, die sich in der Praxis bewährt hat: 10 bis 15 Prozent Puffer auf die Bausumme, im Altbau eher mehr. Nicht weil die Betriebe schlecht kalkulieren, sondern weil niemand durch eine Wand sehen kann, bevor sie offen ist.

Und der wichtigste Rat für die Angebotsphase: Verlangen Sie einen Komplettpreis mit ausgewiesenen Positionen. Ein verlockend günstiges Angebot, bei dem die Hälfte „nach Aufwand“ verrechnet wird, ist am Ende oft das teuerste.

Angebote richtig vergleichen

Drei Angebote einzuholen ist ein guter Rat, der leider selten zu Ende gedacht wird. Wenn die drei Betriebe unterschiedliche Leistungen kalkulieren, vergleichen Sie am Ende Äpfel mit Birnen – und entscheiden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit für das Angebot mit den meisten Lücken.

Damit ein Vergleich funktioniert, brauchen alle Angebote dieselbe Grundlage. Auf diese Punkte sollten Sie achten:

  • Gleiche Mengen: Stehen überall dieselben Quadratmeter, dieselbe Dämmstärke, dieselbe Fensteranzahl? Schon eine unterschiedlich gerechnete Fassadenfläche verschiebt den Preis um Tausende.
  • Einzelpositionen statt Pauschale: Ein Angebot mit einer einzigen Zeile „Fassadensanierung komplett“ lässt sich weder prüfen noch vergleichen.
  • Nebenarbeiten benannt: Gerüst, Untergrundvorbereitung, Entsorgung, Fensterbänke, Anschlüsse an Dach und Sockel. Was hier fehlt, kommt später als Nachtrag.
  • Produkte konkret: Dämmstoff, Dämmstärke, Putzsystem, U-Werte. „Marktübliches System“ ist keine Angabe.
  • Regiestunden: Was kostet die Stunde, wenn doch Unvorhergesehenes auftaucht? Dieser Satz entscheidet im Altbau oft über die Endsumme.
  • Termine und Zahlungsplan: Ausführungszeitraum, Teilzahlungen, Haftrücklass.

Und ein Punkt, der nichts kostet, aber viel bringt: Fragen Sie, ob der Betrieb die Förderunterlagen kennt und die nötigen Nachweise liefert. Betriebe, die regelmäßig geförderte Sanierungen machen, wissen genau, welche Bestätigung die Förderstelle sehen will – das erspart Ihnen später Telefonate und im schlechtesten Fall den Förderbetrag.

Bad, Elektrik und der Rest

Bis hierher ging es um die energetische Hülle. Bei den meisten Sanierungen bleibt es aber nicht dabei – wenn das Gerüst schon steht und die Handwerker im Haus sind, will man das Bad aus 1988 nicht stehen lassen. Diese Posten machen bei einer Komplettsanierung schnell die Hälfte der Rechnung aus:

Badezimmer komplett
8.000–25.000 €
Fliesen, Sanitär, Installation – Ausstattung entscheidet
Küche inkl. Geräte
7.000–20.000 €
nach oben praktisch offen
Elektroinstallation erneuern
6.000–10.000 €
im Altbau oft nicht verhandelbar
Dacheindeckung erneuern
150–200 €/m²
getrennt von der Dämmung zu sehen
Böden, Innentüren, Maler
80–250 €/m²
je nach Material und Zustand der Untergründe

Der große Unterschied zur thermischen Sanierung: Diese Kosten sind fast vollständig eine Frage der Ausstattung. Beim Dämmen bestimmt die Physik den Rahmen, beim Bad der Fliesenkatalog. Gleichzeitig gibt es hier in aller Regel keine Energieförderung – und die eingesparten Heizkosten sind gleich null. Was nicht heißt, dass es sich nicht lohnt: Nur eben aus anderen Gründen als der Betriebskostenabrechnung.

Was die Sanierung zurückbringt

Die Heizkostenabrechnung ist manchmal ehrlicher, als einem lieb ist. Sie zeigt ziemlich genau, wo das Haus mehr Energie verliert als nötig. Und genau dort liegt der eigentliche Wert einer Sanierung – nicht in der Rechnung des Installateurs, sondern in dem, was danach nicht mehr auf der Abrechnung steht. Grobe Anhaltspunkte, wie schnell sich das dreht:

Oberste Geschoßdecke
10–15 Jahre
kleine Investition, große Wirkung – mit Eigenleistung schneller
Kellerdecke
10–20 Jahre
spürbar vor allem beim Komfort im Erdgeschoß
Heizungstausch
8–20 Jahre
hängt stark vom alten System und vom Energiepreis ab
Fassadendämmung
10–30 Jahre
der größte einzelne Spareffekt am Haus
Photovoltaik
8–15 Jahre
je nach Eigenverbrauchsanteil
Fenstertausch
15–25 Jahre
energetisch die teuerste eingesparte Kilowattstunde

Diese Spannen hängen an drei Stellschrauben: Ihrem heutigen Verbrauch, dem Energiepreis und der Förderhöhe. Wer von einem alten Ölkessel und ungedämmten Wänden kommt, landet am unteren Rand. Wer bereits halbwegs saniert hat, am oberen.

Dazu kommt der Teil, der in keiner Tabelle steht: keine kalten Füße mehr im Erdgeschoß, im Sommer bleibt es länger kühl, und beim Verkauf oder der Vermietung ist ein saniertes Haus schlicht mehr wert – nicht zuletzt, weil die Effizienzklasse im Energieausweis in jedem Inserat steht.

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Was es kostet, nichts zu tun

Über die Kosten der Sanierung wird viel geredet, über die Kosten des Wartens fast nie. Dabei lässt sich auch das rechnen – und die Zahl überrascht viele.

Ein ungedämmtes Einfamilienhaus mit altem Kessel verbraucht schnell 25.000 bis 35.000 Kilowattstunden im Jahr. Ein saniertes Haus gleicher Größe kommt mit einem Bruchteil aus. Der Unterschied sind, je nach Energieträger und Preis, häufig mehrere Tausend Euro pro Jahr. Über zehn Jahre gerechnet ist das eine Fassadendämmung, die Sie ohnehin bezahlt haben – nur haben Sie dafür nichts bekommen außer warmer Luft über dem Dach.

Dazu kommt ein zweiter Effekt, der sich schleichend aufbaut: Bauteile, die man zu lange stehen lässt, werden teurer. Ein Putz mit Rissen wird zur Sanierung des Untergrunds, ein undichtes Fenster zum Feuchteschaden in der Laibung, ein überalteter Kessel zum Notfall im Jänner – und Notfälle waren noch nie günstig.

Der dritte Punkt betrifft den Wert der Immobilie. Die Effizienzklasse steht heute in jedem Inserat, und Käufer wie Mieter rechnen die Betriebskosten mit. Ein Haus in Klasse F oder G lässt sich verkaufen, nur eben mit einem Abschlag, der die Sanierung oft übersteigt. Nichtstun ist also selten die günstigste Variante – es ist nur die, bei der keine Rechnung kommt.

Welche Maßnahme lohnt sich zuerst?

Wenn das Budget nicht für alles auf einmal reicht – und das tut es selten – stellt sich die Reihenfolge-Frage. Als Faustregel mit dem besten Verhältnis von Aufwand und Wirkung:

  1. Oberste Geschoßdecke dämmen – günstig, oft in Eigenregie machbar, sofort spürbar. Wärme steigt bekanntlich nach oben, hier entwischt sie zuerst.
  2. Kellerdecke dämmen – der zweite günstige Quadratmeter. Kein Gerüst, kein Wetterrisiko, spürbar warme Füße im Erdgeschoß.
  3. Heizung tauschen – der größte Hebel bei alten Öl- und Gaskesseln. Wichtig: erst dämmen, dann dimensionieren, sonst zahlen Sie eine zu große Anlage.
  4. Fassade dämmen – teurer, dafür der größte einzelne Spareffekt. Am besten dann, wenn der Putz ohnehin fällig wäre.
  5. Fenster tauschen – am besten gemeinsam mit der Fassade. Dann passt der Anschluss und das Gerüst wird doppelt genutzt.

Diese Reihenfolge ist ein guter Startpunkt, aber keine Regel für jedes Haus. Wenn das Dach ohnehin neu gedeckt werden muss, rutscht die Dachdämmung nach vorne. Steht die Heizung vor dem Ausfall, entscheidet nicht die Wirtschaftlichkeit, sondern der Kalender.

Förderungen senken die Kosten

Einen Teil zahlt in Österreich oft die öffentliche Hand mit. Gefördert werden typischerweise thermische Sanierungen der Gebäudehülle, der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Heizsysteme und, je nach Programm, Photovoltaik. Die Beträge und Töpfe ändern sich laufend – die Spielregeln dahinter sind dagegen erstaunlich stabil:

  • Antrag vor Auftragsvergabe. Der häufigste und teuerste Fehler ist die Reihenfolge.
  • Befugter Betrieb. Eigenleistung ist meist nicht förderfähig.
  • Technische Mindeststandards. Bei der Dämmung eine Mindeststärke oder ein U-Wert, beim Fenster ein Uw-Grenzwert, bei der Heizung der Systemtausch.
  • Nachweise. Rechnungen, Fotos, oft ein Energieausweis vorher und nachher.
  • Bund und Land sind getrennt. Beide Schienen lassen sich häufig kombinieren, wollen aber getrennt beantragt werden.

Aktuelle Stände immer bei den offiziellen Stellen prüfen:

Der Sanierungsrechner rechnet die bekannten Förderungen als Schätzung gleich mit ein, damit Sie die Größenordnung sehen. Verbindlich ist immer die Zusage der Förderstelle.

Wie sich das finanzieren lässt

Selbst nach Abzug der Förderung bleibt eine Summe, die selten auf dem Sparbuch liegt. In Österreich stehen dafür üblicherweise drei Wege offen: Eigenmittel, ein Sanierungs- oder Wohnkredit der Hausbank und – je nach Bundesland – ein gefördertes Wohnbaudarlehen des Landes, das oft günstiger verzinst ist als ein normaler Kredit.

Welcher Weg passt, hängt von Ihrer Situation ab, und das ist eine Frage für Ihre Bank oder eine unabhängige Beratung – nicht für einen Ratgeber im Internet. Was Sie aber unabhängig davon mitnehmen sollten: Die jährliche Heizkostenersparnis gehört in die Rechnung. Sie reduziert die laufende Belastung ab dem ersten Jahr und wird bei der Kreditplanung gerne vergessen.

Ein praktischer Hinweis zur Reihenfolge: Klären Sie Förderzusage und Finanzierung, bevor Sie beauftragen. Beides braucht Zeit, und beides wird schwieriger, wenn die Baustelle schon läuft.

Vom Richtwert zum Sanierungsplan

Richtwerte helfen bei der Orientierung. Die eigentliche Frage bleibt aber, was sich für Ihr Haus rechnet – und in welcher Reihenfolge. 250 Euro pro Quadratmeter Fassade sind eine Zahl. 180 Quadratmeter Fassade an Ihrem Haus, bei Ihrem Heizbedarf, mit Ihrer Förderung sind eine Entscheidungsgrundlage.

Genau dafür ist unser kostenloser Sanierungsrechner da. Sie geben Ihre Gebäudedaten ein oder laden Ihren Energieausweis hoch – wir rechnen jede Maßnahme mit Ihren echten Flächen durch: Investitionskosten, jährliche Ersparnis, Amortisation und die möglichen Förderungen.

Der Nutzen liegt im Vergleich. Sie sehen Dämmung, Fenster und Heizung nebeneinander und erkennen, welche Kombination am meisten bringt – und welche Sie sich vorerst sparen können. Weitere Details zu den einzelnen Maßnahmen finden Sie im Ratgeber.

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Die häufigsten Irrtümer

„Sanieren rechnet sich erst bei den heutigen Energiepreisen.“

Die Rechnung geht auch mit moderaten Preisen auf – nur langsamer. Und sie hat eine zweite Seite, die in keiner Amortisationstabelle steht: Ein saniertes Haus ist im Winter behaglicher, im Sommer kühler und beim Verkauf schlicht mehr wert. Wer nur auf die Kilowattstunde schaut, übersieht drei Viertel des Nutzens.

„Am besten alles auf einmal.“

Betriebswirtschaftlich oft richtig, praktisch selten machbar. Wichtiger als das große Paket ist die richtige Reihenfolge: Erst die Hülle dichtmachen, dann die Heizung passend dimensionieren. Umgekehrt kaufen Sie eine Wärmepumpe für den Wärmebedarf von gestern – und die ist dann zu groß und zu teuer.

„Die Förderung gibt es sowieso.“

Fast überall gilt: Antrag vor Auftragsvergabe. Wer den Handwerker zuerst beauftragt und dann einreicht, hat den Anspruch in vielen Programmen verloren. Das ist der teuerste Formfehler der ganzen Sanierung – und einer der häufigsten.

„Ein Richtwert pro Quadratmeter reicht für die Budgetplanung.“

Als erste Orientierung ja, als Budget nein. Zwischen 600 und 1.200 Euro pro Quadratmeter liegt bei 120 m² ein Unterschied von 72.000 Euro. Verlässlich wird es erst, wenn die Flächen Ihres Hauses und der tatsächliche Zustand in die Rechnung einfließen.

„Eigenleistung spart die Hälfte.“

Bei der Dachbodendämmung stimmt das ungefähr, bei der Kellerdecke auch. Bei Fassade, Fenstern und Heizung dagegen nicht – dort steckt der Aufwand in Gerüst, Geräten und Fachwissen. Dazu kommt: Fast alle Förderungen setzen die Ausführung durch einen befugten Betrieb voraus.

Häufige Fragen

Was kostet eine Komplettsanierung eines Einfamilienhauses?

Als Richtwert rechnet man in Österreich mit 600 bis 1.200 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Ein Haus mit 130 m² landet damit grob zwischen 78.000 und 156.000 Euro. Die Spanne ist deshalb so breit, weil Zustand, Ausstattungswunsch und Region massiv durchschlagen – eine seriöse Pauschalzahl gibt es nicht.

Was kostet eine thermische Sanierung?

Beschränkt man sich auf die energetische Hülle – Dämmung, Fenster, Heizung –, liegt man meist bei 300 bis 600 Euro pro Quadratmeter. Das ist der Teil, der die Heizkosten senkt und für den es Förderungen gibt. Bad, Küche und Elektrik sind darin nicht enthalten.

Was ist der Unterschied zwischen Sanierung und Kernsanierung?

Bei einer Sanierung bleibt das Haus bewohnbar und einzelne Bauteile werden erneuert. Eine Kernsanierung geht zurück auf den Rohbau: Installationen, Estriche, Innenwände und oft auch die Decken kommen heraus. Der Aufwand ist dadurch erheblich höher und die Kosten sind nach oben offen.

Wie viel kostet Sanieren pro Quadratmeter?

Für eine Teilsanierung sind 400 bis 600 Euro pro Quadratmeter üblich, für eine Komplettsanierung 600 bis 1.200 Euro. Bei einem Altbau, der zurück auf den Rohbau geht, beginnt man bei etwa 800 Euro und kann deutlich darüber landen. Diese Werte beziehen sich auf die Wohnfläche, nicht auf die Grundstücksfläche.

Lohnt sich eine Sanierung überhaupt?

Besonders bei alten, ungedämmten Häusern mit hohem Heizbedarf: ja. Je mehr Energie ein Gebäude heute verliert, desto schneller spielt die Sanierung die Kosten wieder herein. Bei einem bereits gut gedämmten Haus aus den 2000er-Jahren fällt die Rechnung dagegen deutlich nüchterner aus.

Womit sollte man bei der Sanierung anfangen?

Mit der obersten Geschoßdecke, wenn der Dachboden ungenutzt ist – das ist der günstigste Quadratmeter am ganzen Haus. Danach kommen Heizung und Fassade. Der Fenstertausch macht am meisten Sinn gemeinsam mit der Fassadendämmung, weil dann Anschlüsse und Gerüst zusammenpassen.

Wie viel Puffer sollte man einplanen?

Zehn bis fünfzehn Prozent der Bausumme sind eine vernünftige Reserve, im Altbau eher mehr. Der Grund sind nicht schlampige Angebote, sondern das, was erst nach dem Aufmachen sichtbar wird: feuchtes Mauerwerk, morsche Balkenköpfe, überraschende Leitungsführungen.

Kann ich mit Förderungen rechnen?

Bund und Länder fördern thermische Sanierungen und den Heizungstausch, die Programme ändern sich aber laufend. Stabil bleiben die Grundregeln: Antrag vor Auftragsvergabe, Ausführung durch einen befugten Betrieb, technische Mindeststandards und ordentliche Rechnungen. Die verbindliche Höhe erfahren Sie bei der zuständigen Stelle.

Ist eine Sanierung günstiger als ein Neubau?

In aller Regel ja. Ein Neubau liegt in Österreich meist deutlich über 2.000 Euro pro Quadratmeter, dazu kommen Abbruch und Entsorgung. Anders sieht es aus, wenn die Bausubstanz massive Schäden hat – dann kann die Sanierung teurer werden als der Ersatzneubau.

Wie lange dauert eine Sanierung?

Eine einzelne Maßnahme ist oft in Tagen erledigt: Dachbodendämmung an einem Wochenende, Fenstertausch in zwei bis drei Tagen. Eine Fassadendämmung braucht mehrere Wochen, eine Komplettsanierung mit Innenausbau je nach Umfang mehrere Monate.

Muss ich während der Sanierung ausziehen?

Bei Maßnahmen an der Gebäudehülle meist nicht – Fassade, Dachboden und Kellerdecke lassen sich im bewohnten Zustand machen. Sobald Estriche, Installationen oder das einzige Bad betroffen sind, wird es unangenehm bis unmöglich.

Was kostet die Sanierung einer Wohnung?

Für eine Wohnungssanierung rechnet man je nach Zustand und Umfang mit 500 bis 1.000 Euro pro Quadratmeter. Der große Unterschied zum Haus: An der Gebäudehülle können Sie in der Regel nichts allein entscheiden – Fassade, Dach und oft auch die Fenster sind Sache der Eigentümergemeinschaft.

Wie viele Angebote sollte ich einholen?

Drei je Gewerk sind ein guter Richtwert. Wichtiger als die Anzahl ist aber, dass alle dieselbe Leistung kalkulieren: gleiche Mengen, gleiche Dämmstärke, benannte Nebenarbeiten. Sonst vergleichen Sie am Ende nur, wer am meisten vergessen hat.

Kann ich die Kosten vorab selbst einschätzen?

Ja, und zwar ohne Tabellenkalkulation. Sie geben Ihre Gebäudedaten ein oder laden Ihren Energieausweis hoch – der Sanierungsrechner ermittelt daraus Kosten, jährliche Ersparnis, Amortisation und mögliche Förderungen für Ihr konkretes Gebäude.

Lukas Zechner

Energieausweis-Aussteller & Betreiber von SanierCheck.at

Lukas berät seit Jahren zu Energieeffizienz und Sanierung und betreibt SanierCheck.at, um Hausbesitzern in ganz Österreich zu zeigen, was in ihren Gebäudedaten steckt. Fragen zu Ihrem Sanierungsbudget? office@saniercheck.at oder +43 650 2703912.

Was kostet die Sanierung für Ihr Haus?

Kostenlos, unverbindlich und in wenigen Minuten – mit den echten Flächen Ihres Gebäudes statt mit Durchschnitten, inklusive Ersparnis, Amortisation und möglicher Förderungen.

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